top of page
Arthrose

Arthrose ist eine Gelenkerkrankung, bei der das gesamte Gelenk betroffen ist – also Knorpel, Knochen, Gelenkkapsel, Schleimhaut, Bänder und die umliegende Muskulatur. Typische Beschwerden sind Schmerzen, Steifigkeit und eine eingeschränkte Belastbarkeit.

Wie bei vielen anderen Beschwerden des Bewegungsapparats passen auch bei Arthrose Symptome und strukturelle Veränderungen nicht immer exakt zusammen. Bildgebung kann hilfreich sein, erklärt Beschwerden aber oft nicht vollständig. Für die Einordnung und die passende Therapiewahl sind daher auch Beschwerden, Funktion, Belastbarkeit und der klinische Gesamteindruck wichtig. [1]

Wie entsteht Arthrose?

Arthrose hat meist nicht nur eine einzige Ursache. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen. Zu den Risikofaktoren gehören unter anderem:

  • höheres Alter

  • Übergewicht oder Adipositas

  • frühere Gelenkverletzungen

  • weibliches Geschlecht, insbesondere bei Kniearthrose

  • je nach Gelenk auch bestimmte mechanische Belastungen [1]

Wie wird Arthrose behandelt?

Die Behandlung sollte sich an den individuellen Beschwerden und an den persönlichen Zielen orientieren. Internationale Empfehlungen betonen, dass Aufklärung, Bewegung und, wenn relevant, Gewichtsmanagement zu den wichtigsten Grundpfeilern der Behandlung gehören. Übungen müssen dabei vor allem regelmäßig, passend dosiert und langfristig umsetzbar sein. [2,3]

Akuter Beschwerdeschub

Bei Arthrose können Beschwerden phasenweise zunehmen. Ein solcher Beschwerdeschub, ein sogenannter Flare-up, bedeutet nicht automatisch, dass das Gelenk dauerhaft neuen Schaden genommen hat. Oft ist es nur vorübergehend empfindlicher und reagiert stärker auf Belastung.

Mögliche Auslöser können ungewohnte oder höhere Belastung, längere Aktivität, eine Trainingspause, schlechter Schlaf, Stress, Infekte oder allgemeine Erschöpfung sein. Manchmal ist aber auch kein klarer Auslöser erkennbar, das ist nicht ungewöhnlich.

In einem akuten Schub kann es sinnvoll sein, Belastungen kurzfristig zu reduzieren, schmerzhafte Aktivitäten anzupassen und Bewegung in einem verträglichen Ausmaß beizubehalten. Komplette Schonung über längere Zeit ist meist nicht hilfreich. Ziel ist es, das Gelenk zu beruhigen und anschließend Bewegung, Alltagstätigkeiten und Training schrittweise wieder aufzubauen.

Bewegung und Training während eines Flare-ups sind also nicht automatisch schädlich; Anpassungen können aber sinnvoll sein. Als grobe Orientierung kann man sich an einer numerischen Schmerzskala von 0 bis 10 orientieren. Wichtig dabei: Beschwerden sollten innerhalb von etwa 24 Stunden nach der Trainingseinheit wieder auf ihr Ausgangsniveau zurückgehen.

  • 0–2: Training meist ohne größere Anpassungen möglich

  • 3–5: Training angepasst weiter möglich

  • ab 6: Training deutlich reduzieren oder vorübergehend unterbrechen

Je nach Situation können kurzfristig entlastende Maßnahmen wie Pausen, Kühlung bei deutlicher Wärme, Hochlagern bei Schwellung oder ein Gehstock hilfreich sein. Solche Maßnahmen sollten als vorübergehende Unterstützung verstanden werden, nicht als Ersatz für einen langfristigen aktiven Umgang mit der Erkrankung. [2,3]

Ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn Beschwerden ungewöhnlich stark sind, länger als zwei Wochen deutlich erhöht bleiben, sich regelmäßig wiederholen, rasch zunehmen, mit deutlicher Schwellung, Rötung, Überwärmung, Fieber, einem Unfallereignis oder einer deutlichen neuen Bewegungseinschränkung einhergehen.

Medikamente

Medikamentöse Versorgung kann sinnvoll sein, wenn Beschwerden stark sind, länger anhalten, deutlich zunehmen oder Unsicherheit über die Ursache besteht. Medikamente können Arthrose-Beschwerden vorübergehend lindern und Bewegung im Alltag erleichtern, sollten aber nicht als alleinige Lösung verstanden werden.

Welche Medikamente im Einzelfall geeignet sind, hängt von Beschwerden, Vorerkrankungen, möglichen Risiken und der individuellen Situation ab und sollte ärztlich besprochen werden. Leitlinien beschreiben entzündungshemmende Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) als mögliche Option. Topische NSAR, also zum Beispiel entzündungshemmende Schmerzgels, werden besonders bei Kniearthrose häufig empfohlen. Orale NSAR können ebenfalls wirksam sein, sind aber nicht für alle Menschen geeignet und müssen mögliche Risiken berücksichtigen. Paracetamol wird heute eher zurückhaltend gesehen. Opioide werden wegen ihres begrenzten Nutzens und potenzieller Nebenwirkungen kritisch beurteilt und nicht empfohlen. [2,3]

Wann wird eine Operation in Betracht gezogen?

Ein Gelenkersatz kann vor allem bei fortgeschrittener Arthrose mit deutlicher funktioneller Einschränkung erwogen werden, wenn angemessene weniger invasive Maßnahmen nicht ausreichend geholfen haben. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn:

  • über einen ausreichenden Zeitraum sinnvolle konservative Maßnahmen ausgeschöpft wurden

  • Schmerzen und Funktionsverlust weiterhin deutlich sind

  • die Lebensqualität spürbar eingeschränkt ist

  • Schlaf, Gehen und Alltagsaktivitäten erheblich beeinträchtigt sind

Arthroskopische Operationsverfahren werden bei Arthrose heute kritisch gesehen und nicht empfohlen. [1]

Quellen
[1] Hunter DJ, Bierma-Zeinstra S. Osteoarthritis. The Lancet. 2019.
[2] Bannuru RR, Osani MC, Vaysbrot EE, et al. OARSI guidelines for the non-surgical management of knee, hip, and polyarticular osteoarthritis. Osteoarthritis and Cartilage. 2019.
[3] Kolasinski SL, Neogi T, Hochberg MC, et al. 2019 American College of Rheumatology/Arthritis Foundation Guideline for the Management of Osteoarthritis of the Hand, Hip, and Knee. Arthritis & Rheumatology. 2020.

bottom of page