Grundprinzipien physiotherapeutischer Versorgung
Die hier beschriebenen Informationen stammen aus einem systematischen Übersichtsartikel, der elf Empfehlungen zusammengefasst hat, die sich in hochwertigen Leitlinien zu muskuloskelettalen Beschwerden wiederholt finden. Sie geben eine gute Orientierung dafür, was Patientinnen und Patienten von moderner Versorgung bei Beschwerden am Bewegungsapparat erwarten können - und woran sich auch physiotherapeutische Behandlung orientieren sollte.
Diese Grundprinzipien bedeuten nicht, dass jede Behandlung immer gleich abläuft. Sie helfen aber, Therapie nicht nur als kurzfristige Symptombehandlung zu verstehen, sondern als gemeinsamen Prozess.
11 Grundprinzipien guter Versorgung bei Beschwerden am Bewegungsapparat
1. Patientenzentrierte Arbeit
Die Therapie sollte zur individuellen Situation, den Zielen, Fragen und Möglichkeiten der Patientin oder des Patienten passen.
2. Medizinische Warnzeichen
Zu Beginn sollte geprüft werden, ob Hinweise auf ernsthafte Ursachen oder sogenannte Red Flags bestehen, die ärztlich abgeklärt werden müssen.
3. Psychosoziale Faktoren
Sorgen, Stress, Angst vor Bewegung, Erwartungen, Arbeitssituation oder frühere Erfahrungen können Beschwerden und Genesung beeinflussen.
4. Gezielte Bildgebung
Röntgen, MRT oder andere Bildgebung sind nicht immer notwendig. Sie sind vor allem dann sinnvoll, wenn Warnzeichen bestehen, der Verlauf unklar ist oder das Ergebnis die weitere Behandlung relevant verändern würde.
5. Körperliche Untersuchung
Eine physiotherapeutische Untersuchung kann Beweglichkeit, Kraft, Belastbarkeit, neurologische Zeichen und relevante Funktionen erfassen.
6. Verlaufsüberprüfung
Therapie sollte regelmäßig daran gemessen werden, ob sich Beschwerden, Funktion, Belastbarkeit oder Alltagssicherheit verändern.
7. Informationsgabe
Patientinnen und Patienten sollten ihre Beschwerden, Einflussfaktoren und Behandlungsmöglichkeiten besser verstehen können.
8. Bewegung und Training
Körperliche Aktivität, gezielte Übungen und schrittweiser Belastungsaufbau sind zentrale Bestandteile der Versorgung.
9. Ergänzende manuelle Therapie
Passive Maßnahmen sollten nicht Haupttherapie sein. Sie können aber hilfreich als Ergänzung zu Aufklärung, Bewegung und aktivem Aufbau sein.
10. Nicht-operative Möglichkeiten
Wenn keine dringenden medizinischen Gründe dagegensprechen, sollte zunächst eine gute nicht-operative Versorgung genutzt werden, bevor operative Maßnahmen erwogen werden.
11. Alltag und Arbeit
Ziel ist nicht nur weniger Schmerz in der Behandlungssituation, sondern neben einer besseren Teilhabe an Familie und Freizeit auch an Alltag und Beruf.
Quelle
Lin I, Wiles L, Waller R, et al. What does best practice care for musculoskeletal pain look like? Eleven consistent recommendations from high-quality clinical practice guidelines. British Journal of Sports Medicine. 2020.