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Rückenschmerzen

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparats. Viele Menschen erleben sie im Lauf ihres Lebens mindestens einmal. Häufig bessern sich die Beschwerden wieder, Rückfälle oder wiederkehrende Verläufe sind jedoch nicht selten. Rückenschmerzen werden heute daher oft eher als länger anhaltendes Beschwerdebild mit variablem Verlauf und wiederkehrenden Episoden verstanden. [1]

Schmerz bedeutet nicht immer Schaden

Schmerz bedeutet nicht automatisch, dass im Rücken ein neuer oder schwerer Schaden entstanden ist. Länger bestehende oder wiederkehrende Beschwerden hängen oft nicht nur von einzelnen Strukturen ab. Häufig wirken mehrere Einflussfaktoren zusammen: körperliche Belastung, Bewegungsverhalten, Schlaf, Stress, Sorgen, frühere Erfahrungen, allgemeine Gesundheit und die Sensibilität des Nervensystems.

Das bedeutet nicht, dass der Schmerz eingebildet ist. Schmerz ist eine reale Erfahrung. Es bedeutet nur, dass Rückenschmerzen manchmal besser verstanden werden, wenn man nicht nur nach „der einen Ursache“ sucht, sondern die wichtigsten Einflussfaktoren gemeinsam betrachtet. [1,2]

Aus diesem Grund sind Röntgen, CT oder MRT bei Rückenschmerzen nicht automatisch sofort notwendig. Veränderungen in der Bildgebung passen nicht immer eindeutig zu den Beschwerden. Auch Menschen ohne Schmerzen können Auffälligkeiten in der Wirbelsäule zeigen. [2,3,4]

Bildgebung kann sinnvoll sein, wenn Hinweise auf ernsthafte Ursachen bestehen, der Verlauf ungewöhnlich ist oder das Ergebnis die weitere Behandlung relevant verändern würde. In vielen Fällen ist für die erste Einordnung jedoch wichtiger, wie die Beschwerden begonnen haben, wie sie sich verhalten, welche Funktionen eingeschränkt sind und ob Warnzeichen vorliegen. [4]

Mehr dazu, welche Faktoren Schmerzen beeinflussen können, finden Sie unter „Schmerzgrundlagen: Treibermodell“.

Was Sie selbst tun können

Bei vielen Rückenschmerzen ist längere Schonung nicht hilfreich. Meist ist es sinnvoll, im Alltag möglichst in Bewegung zu bleiben und normale Aktivitäten so gut wie möglich weiterzuführen. Bewegungsübungen können dabei unterstützen, Beschwerden zu reduzieren und Belastbarkeit wiederzugewinnen. [4,5,6]

Bei einem akuten Beschwerdeanstieg kann es trotzdem sinnvoll sein, Belastungen kurzfristig anzupassen, sehr schmerzhafte Tätigkeiten zu reduzieren und Bewegung in einem verträglichen Ausmaß beizubehalten. Das Ziel ist nicht vollständige Schonung, sondern eine vorübergehende Anpassung mit schrittweiser Rückkehr zu Alltag, Bewegung und Belastung.

Hilfreich können zum Beispiel Spaziergänge, häufige Positionswechsel, leichte Bewegungsübungen oder eben eine vorübergehende Anpassung belastender Tätigkeiten sein. Entscheidend ist nicht, sofort schmerzfrei zu sein, sondern Bewegung und Alltag nach Möglichkeit beizubehalten und Funktion sowie Belastbarkeit schrittweise wiederzuerlangen.

Wie werden Rückenschmerzen eingeordnet und behandelt?

Rückenschmerzen werden nicht nur danach beurteilt, wo sie auftreten, sondern auch danach, wie sie sich verhalten. Wichtig sind zum Beispiel Beginn, Verlauf, Ausstrahlung, Beweglichkeit, Belastbarkeit, mögliche neurologische Zeichen, Warnzeichen und der Einfluss von Alltag, Arbeit, Schlaf und Stress.

Bei vielen Rückenschmerzen lässt sich keine einzelne Struktur eindeutig als Ursache bestimmen. Das bedeutet nicht, dass die Beschwerden „unklar“ oder unwichtig sind. Es bedeutet, dass sich die Behandlung häufig stärker an Funktion, Belastbarkeit, Verlauf und individuellen Einflussfaktoren orientiert als nur an einem einzelnen Bildbefund. [1,2]

Medikamente können sinnvoll sein, wenn Beschwerden sehr stark sind, länger anhalten, deutlich zunehmen oder Unsicherheit über eine mögliche Ursache besteht. Sie können Rückenschmerzen vorübergehend lindern und Bewegung im Alltag erleichtern, sollten aber nicht als alleinige Lösung verstanden werden.

Welche Medikamente im Einzelfall geeignet sind, hängt von Beschwerden, Vorerkrankungen, möglichen Risiken und der individuellen Situation ab und sollte ärztlich besprochen werden. Leitlinien beschreiben entzündungshemmende Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) als mögliche kurzfristige Option. Paracetamol wird als alleinige Behandlung bei Rückenschmerzen eher kritisch gesehen. [4,5]

Physiotherapie kann helfen, Beschwerden einzuordnen, Warnzeichen zu prüfen, Beweglichkeit, Kraft, Belastbarkeit und mögliche neurologische Zeichen zu untersuchen und gemeinsam realistische Ziele festzulegen. Je nach Situation können Aufklärung, gezielte Übungen, schrittweiser Belastungsaufbau, Beratung zum Alltag oder ergänzende manuelle Maßnahmen sinnvoll sein. Ziel ist nicht nur kurzfristige Schmerzlinderung, sondern mehr Sicherheit, Funktion und Belastbarkeit im Alltag. [6,7]

Wann Sie ärztlich abklären lassen sollten

Die meisten Rückenschmerzen sind nicht gefährlich. Eine ärztliche Abklärung sollte jedoch erfolgen, wenn Beschwerden ungewöhnlich stark sind, rasch zunehmen oder mit auffälligen Begleitsymptomen verbunden sind.

Dazu gehören zum Beispiel deutliche oder zunehmende Muskelschwäche, ausgeprägte Taubheitsgefühle (insbesondere im Gesäß-, Genital- oder Beinbereich), neue Probleme mit Blase oder Darm, Fieber, starker Allgemeinzustandsverlust oder Beschwerden nach einem relevanten Sturz oder Unfall. [6,8]

Quellen
[1] Hartvigsen J, Hancock MJ, Kongsted A, et al. What low back pain is and why we need to pay attention. The Lancet. 2018.
[2] Pinto RZ, Kongsted A, Silva S, et al. Recent highlights in low back pain research, Part I: Diagnosis and Prognosis. Journal of Physiotherapy. 2026.
[3] Brinjikji W, Luetmer PH, Comstock B, et al. Systematic literature review of imaging features of spinal degeneration in asymptomatic populations. American Journal of Neuroradiology. 2015.
[4] National Institute for Health and Care Excellence. Low back pain and sciatica in over 16s: assessment and management. NICE guideline NG59. 2016, updated 2020.
[5] Qaseem A, Wilt TJ, McLean RM, Forciea MA. Noninvasive treatments for acute, subacute, and chronic low back pain. Annals of Internal Medicine. 2017.
[6] Apeldoorn AT, Swart NM, Conijn D, Meerhoff GA, Ostelo RW. Management of low back pain and lumbosacral radicular syndrome. European Journal of Physical and Rehabilitation Medicine. 2024.
[7] Zaina F, Côté P, Cancelliere C, et al. A systematic review of clinical practice guidelines for persons with non-specific low back pain with and without radiculopathy. Archives of Physical Medicine and Rehabilitation. 2023.
[8] Finucane LM, Downie A, Mercer C, et al. International framework for red flags for potential serious spinal pathologies. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy. 2020.

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